Wer wird die Nr. 1 im Osten?
Gebloggt von Morten Püschel in 90elf-Blog
Genau 20 Jahre sind seit dem Mauerfall vergangen und ausgerechnet jetzt wird ein neuer Kampf um die fußballerische Vormachtstellung im Osten der Republik entfacht. Allerdings nicht im Fußballoberhaus, sondern in der zweiten Bundesliga.
Da sind auf der einen Seite die beiden ehemaligen Bundesligisten Hansa Rostock und Energie Cottbus. Auf der anderen Seite kommt mit Union Berlin eine Mannschaft mit viel Potenzial und einer ebenfalls langen Tradition aus der dritten Liga. „Es hat einen gewissen Reiz zu klären, wer denn der beste Ostverein ist. Wir wollen bei diesem Vergleich ein Wörtchen mitreden”, sagt Dirk Zingler, Präsident von Union Berlin gegenüber dem Sportinformationsdienst.
Während also der Aufsteiger mit einem von den Fans renoviertem Stadion und frischem Geld nach vorne schnellt, beharren Energie und Hansa auf ihre Vormachtstellung in den neuen Bundesländern.
„Union ist gerade erst in die zweite Liga aufgestiegen und wird sich dort bewähren müssen. Wir und Rostock sind ihnen noch um einiges voraus”, sagt Energie-Präsident Ulrich Lepsch und betont: „Wir waren in den letzten Jahren der beste Ostverein, denn wir haben die Fahne in der Bundesliga hochgehalten.”
Auch Hansa-Vorstandschef Dirk Grabow bremst die Berliner verbal ein. „Als Aufsteiger müssen sie sich erst einmal etablieren. Das wird schwer genug”, und fügt dann hinzu: „Was die Sympathie betrifft, sind wir ganz klar die Nummer eins im Osten.”
Das belegt übrigens auch eine Studie des Vermarkters sportfive. Demnach ist Hansa Rostock bei den Fußball-Fans in ganz Deutschland mit 79 % der bekannteste und sympathischste Ostklub.
Union hat dagegen zwei andere Pfunde, mit denen es wuchern kann: Den Standort-Vorteil als Hauptstadtverein und den Status als Kultklub. Das ist aber alles nichts gegen die leidensfähigen und treuen Fans der „Eisernen“. Die bauten das Stadion an der alten Försterei mit den eigenen Händen wieder auf und sparten dem Klub somit 2,5 Millionen Euro.
Wenn es nach dem Kader geht, schlüpft Energie Cottbus in die Favoritenrolle. Die Abgänge der Leistungsträger Ervin Skela, Dimitar Rangelow und Ivica Iliev konnten durch die Neuzugänge Leonard Kweuke, Markus Brzenska und Roger kompensiert werden. Hansa hielt seinen Kader mehr oder weniger zusammen und bei Union setzt Trainer Uwe Neuhaus vor allem auf die Aufstiegshelden.
Vorteile haben die Hanseaten wiederum bei der Höhe des Etats. So darf Rostock über 16 Millionen Euro verfügen, während den Cottbusern und den Berlinern nur 13 bzw. 12,2 Millionen zur Verfügung stehen. Doch auch finanziell befinden sich die „Eisernen” bereits auf der Überholspur. Der neue Hauptsponsor, die International Sport Promotion, spült jährlich zwei Millionen Euro in die Kasse. Hansa und Energie dagegen suchen seit Wochen nach einem neuen Trikotsponsor. Zuletzt hatte die Vermarktungsagentur Infront per Anzeige beide Klubs sogar im Doppelpack angeboten.
Gibt es also bald eine neue Macht im Osten oder können Energie und Hansa die Berliner auf Distanz halten? Vielleicht ist das Ganze aber auch nur ein wertloses Kettenrasseln, denn in der Oberliga NOFV-Süd wurde der SSV Markranstädt in RB Leipzig umbenannt. Dahinter steckt Aufputschbrause-Hersteller RedBull und verspricht den Kickern aus der Leipziger Vorstadt 100 Millionen Euro in den nächsten 10 Jahren. Der Durchmarsch ins Fußballoberhaus ist fest geplant und dann bleibt für die anderen Ostklubs wahrscheinlich nur noch eine Zuschauerrolle im Kampf um die Fußballkrone im Osten. Oder?








